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Drohnenabwehr in der Fläche: Deutschlands vergessene Infrastruktur-Achillesferse

VANGUARD · · 1 Min. Lesezeit
Drohnenabwehr in der Fläche: Deutschlands vergessene Infrastruktur-Achillesferse
Erstellt mit Hilfe von KI

Die Bedrohung ist konkret geworden. Seit Jahresbeginn registriert das Bundeskriminalamt in Deutschland über 747 Drohnenvorfälle an deutschen Flughäfen und kritischen Infrastrukturen. Doch während Politik und Sicherheitsbehörden ihre Anstrengungen auf große Verkehrsknotenpunkte konzentrieren, bleibt eine strategische Schwachstelle ungelöst: der Schutz dezentraler, lebenswichtiger Anlagen im gesamten Bundesgebiet. Stromleitungen, Umspannwerke, Wasserwerke, Rechenzentren und industrielle Produktionsstätten – Zehntausende solcher Einrichtungen sind faktisch wehrlos gegen moderne Drohnen als Angriffsplattformen.

Das Problem liegt nicht primär in fehlender Abwehrtechnik, sondern in einer grundsätzlichen Erkenntnislücke: Deutschland verfügt über kein flächendeckendes Sensornetz zur frühzeitigen Detektion von Bedrohungen. Was an Flughäfen bereits schwierig ist, wird entlang von Pipelines und Werksgeländen zur organisatorischen Unmöglichkeit. Parallel dazu hemmen rechtliche Regelungen die Handlungsfähigkeit genau jener Akteure, die unmittelbar Verantwortung tragen – die kommunalen und privaten Betreiber kritischer Infrastruktur.

Die Regelungslücke als Risikofaktor

Das im März 2026 verabschiedete KRITIS-Dachgesetz offenbart eine entscheidende Schwachstelle: Betreiber kritischer Infrastruktur sollen ihre Anlagen schützen, verfügen aber über kaum rechtliche Mittel für aktive Gegenwehr. Der Einsatz von Detektionstechnik, Funkstörtechnik oder sogar passiven Fangnetzen ist privaten Betreibern grundsätzlich untersagt. Der Abschuss bleibt staatlichen Behörden vorbehalten – eine Regelung, die unter Bedingungen dezentraler Bedrohungen zu einem Schutzversprechen führt, das nicht eingelöst werden kann.

Die geplanten mobilen Einsatzeinheiten für Großstädte und Bundeseinrichtungen ändern nichts an dieser Grundproblematik. Sie können nicht gleichzeitig Tausende Anlagen überwachen. Ein funktionierendes Abwehrsystem braucht Bottom-up-Strukturen, nicht nur Top-down-Lösungen aus Berlin.

Dezentralisierung statt Zentralisierung

Die Lösung liegt in einer neuen Sicherheitsarchitektur, die kommunale und private Akteure handlungsfähig macht. Drei Schritte sind erforderlich:

  • Rechtssicherheit für Detektion: Private und kommunale Betreiber benötigen eine klare Rechtsgrundlage, um Detektionstechnik einzusetzen und Lagebild-Informationen zentral zu erfassen und zu teilen. Das KRITIS-Dachgesetz muss entsprechend überarbeitet werden.
  • Finanzierungsverantwortung klären: Bund und Länder müssen Förderprogramme für Sensortechnik bereitstellen. Wer Schutzpflichten verordnet, muss deren Finanzierung sichern.
  • Zweckverbände als Organisationsmodell: Kommunale Zusammenschlüsse könnten Finanzierung, technische Standardisierung und rechtssichere Zusammenarbeit regeln. Feuerwehrhäuser mit bestehender Infrastruktur könnten als Sensor-Standorte dienen – auch im ländlichen Raum.

Sicherheit als Gestaltungsaufgabe

Der Schutz kritischer Infrastruktur ist keine Frage für Spezialbehörden allein. Er ist ein Governanceproblem, das verlangt, dass Bund, Länder und Kommunen ihre Zuständigkeiten klar definieren und ihre Ressourcen bündeln. Sicherheit vor hybriden Bedrohungen darf nicht vom Wohnort oder der Betriebsgröße abhängen. Deutschland hat die technischen und rechtlichen Strukturen für ein dezentrales, resilientes System. Es braucht nun die politische Entschlossenheit, es zu bauen.